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2018: 1-2-2-2-2-3-6

2018: 1-2-2-2-2-3-6

1 goldene, 4 silberne und 1 bronzene Medaille sowie 1 Diplom bei 7 Einsätzen an EM und WM, das ist meine Ausbeute aus der Saison 2018. Nach einer Trainingspause und etwas Abstand vom OL möchte ich zurückblicken auf was in meinem bisher erfolgreichsten Jahr genau abging.

Teil 1: EM im Tessin

4 Einsätze: 1. Rang Sprintstaffel, 2. Rang Mitteldistanz, 2. Rang Staffel, 6. Rang Sprint

A casa in Ticino, das war mein Motto für die Heim-Europameisterschaften im Tessin. Sich zuhause fühlen, eine Meisterschaft vor Heimpublikum - darin sehe ich den Hauptgrund, wieso das Schweizer Team in dieser Woche Anfangs Mai insgesamt so stark war. Keine andere Nation bereitete sich für das Tessiner Gelände so gut vor wie wir, die EM hatte wohl für niemanden sonst einen so hohen Stellenwert wie für uns. Auch ich selber investierte viel: Ein Fokus im Krafttraining (Zusammenarbeit mit einem Experten, spezifische Trainings-Programme abgestimmt auf meine Schwächen) um mich physisch im Tessin wie Zuhause fühlen. Unzählige OL-Trainings (vereinfacht durch die Trainingsbasis in Cugnasco, Elternhaus von Elena), um an meiner OL-Technik zu feilen. Und das wichtigste Puzzle-Teil: Die Überzeugung und die richtige Einstellung am Start um meinen Lauf im Wald von A bis Z durch zu ziehen. Das Selbstvertrauen konnte ich mir mit einem Sieg im Schweizer Selektionslauf (Mitteldistanz) holen. Grösseren Druck wegen der Heim-EM verspürte ich nie, da ich im starken Schweizer Männerteam nicht an exponierter Lage stand.

Das Highlight meiner EM-Woche gibt es irgendwie nicht, eher einfach die EM als Ganzes! Es gab aber sicher einige spezielle Momente. Wie ich in der Mitteldistanz nach dem Überlauf auf der zweiten Schlaufe noch einmal etwas zulegen konnte; ich dann in Richtung letzten Posten noch im Wald bereits meinen Bruder Sevä schreien höre und schliesslich bei tosendem Applaus die Silbermedaille sichern konnte; das werde ich nie vergessen. Ebenso bleibend ist für mich der Tag danach, als wir zu 4. in der Sprintstaffel alle Erwartungen erfüllen konnten. Trotz mässiger Leistung meinerseits aber dank starken Teamkolleginnen/-en konnten wir uns vor einem Schweizer Fahnenmeer die Goldmedaille umhängen lassen. Und zum Schluss kam noch die Waldstaffel. Zum ersten Mal im SUI Team 1, das vor Heimpublikum, als Titelverteidiger am Start. Hier bleibt mir das Gefühl während meinem Lauf. Nach dem Startschuss keine Nervosität, stets sehr aktiv am Laufen, alles unter Kontrolle, einfach OL im Flow.

Die Heim-EM bleibt mir als intensive aber unglaublich schöne Woche in Erinnerung. Ich erlebte sie als grosses OL-Fest, auch dank den vielen vielen Fans! Die OL-Schweiz konnte sich auch in der Medienlandschaft optimal präsentieren, ich hoffe mit einer nachhaltigen Wirkung.

Teil 2: WM in Lettland

3 Einsätze: 2. Rang Sprintstaffel, 2. Rang Staffel, 3. Rang Mitteldistanz

Nach meiner erfolgreichen EM stellte sich für kurze Zeit eine Art Sättigungsgefühl ein; trainingsmässig versank ich im Basistraining, bis mich mein Betreuer wachrüttelte. Auch an der WM hatte ich hohe Ziele, und nur weil die EM gut lief, heisst das für die WM nichts - im Gegenteil! Den 7. August hatte ich mir dick in die Agenda eingetragen, das lettische Gelände (schnell aber diffus, flach gemixt mit feinen und steilen Hängen) liegt mir und die Motivation war riesig. Mit bereits einer Medaille um den Hals aus der Sprintstaffel startete ich in der Mitteldistanz beflügelt und richtig schnell, bei jeder Unsicherheit fand ich sofort die Antwort und so flog ich der Arena entgegen. In der Passage konnte mich auch die Nachricht, dass ich auf Medaillenkurs liege, nicht aus dem Konzept bringen - dies hatte ich nach letztem Jahr gelernt. Die Freude im Ziel über meine Bronzemedaille war riesig! Dass ich so nahe am Sieger war (14", respektive noch in Führung 4' vor dem Ziel) sehe ich positiv: Ich weiss, dass ich es kann, es bleibt mir aber noch ein Ziel :-). Mit der Selektion ins Schweizer Staffelteam ging ein Traum in Erfüllung. Der Staffeltag war an Dramaturgie nicht zu überbieten und endete schliesslich mit einem Happy-End und der Silbermedaille für uns.

Die grosse Show von Fabian Hertner über die Langdistanz in seinem allerletzten WM-Rennen durfte ich als Zuschauer verfolgen. Einen besseren Zimmerkollegen für eine WM und sonstigen Trainingskollegen gibt's nicht! Danke Fäbu für die Tipps & Tricks in all den Jahren! Mit diesem Abschluss war der Eschenberger-WM-Hattrick perfekt: alle WM Einzel-Bronzemedaillen gingen nach Winterthur (Kybi im Sprint, ich im Middle und Fäbu im Long)!

 Winterthurer WM-Hattrick. 3x Bronze. Mitteldistanz / Sprint / Langdistanz, vlnr.

Winterthurer WM-Hattrick. 3x Bronze. Mitteldistanz / Sprint / Langdistanz, vlnr.

Spitzensportler & Umweltingenieur

Als ich im Herbst 2017 begann, bei EBP in einem Teilzeit-Pensum als Umweltingenieur zu arbeiten, wusste ich noch nicht, ob ich auch so ein optimales Umfeld als Sportler haben werden - aber ich war überzeugt und wollte es versuchen. Mit etwas Abstand bin ich froh, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Die Arbeit gibt mir einen Ausgleich zum Sport, eine Struktur im Alltag. Dank einem grossen Verständnis im Team bin ich sehr flexibel mit meiner Arbeitszeit, kann mit einer guten Planung aber trotzdem spannende Projekte bearbeiten. Wenn ich in Trainingslager oder auf Wettkampf-Reisen unterwegs bin, gehe ich mit grösserem Fokus und Motivation ans Werk. Ich trainiere konsequenter, die Trainingsstunden konnte ich gegenüber 2016 und 2017 nochmals steigern. Es gab natürlich ab und zu schon Momente, in denen es zeitlich etwas eng wurde, oder meine Energiebatterie "Low" anzeigte.

An dieser Stelle ein grosses Danke an meinen Arbeitgeber EBP und alle meine Arbeitskolleginnen/-en, welche mich auch in meinem sportlichen Engagement unterstützen.

Teil 3: Herbst-Saison

Die Geschichte des letzten Saisondrittels ist leider etwas schnell erzählt. Mit den beiden intensiven und erfolgreichen EM- und WM-Kampagnien war die Luft draussen. Topresultate sind immer der Lohn harter Arbeit, geschenkt wird nichts. Und meine physische, aber auch mentale Energie reichte einfach nicht mehr, um die nötige Überzeugung, Motivation, Willen für solche Topresultate hin zu kriegen. So schlichen sich am Weltcup in Norwegen sowie in Tschechien immer mal wieder kleinere und grössere Fehler in meine Läufe. Hervorheben möchte ich die Sprintstaffel im Stadtpark rund um den Petrin-Turm in Prag. Mit einer (endlich wieder) überzeugenden Ablösung auf meiner Strecke und auch sonst drei tollen Leistungen konnten wir nach der EM wieder einen Sieg feiern. Speziell dabei, dass es einen der letzten internationalen OL-Einsätze von Judith Wyder sein sollte. Danke Judith für all die erfolgreichen Sprintstaffeln, welche wir zusammen laufen durften!

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Danke für die Unterstützung im 2018

Ein grosses Danke zuerst an Ele, welche mich immer in allem unterstützt. Danke auch an meine Familie, meinen Bruder Sevä, meine Freunde, meine Gönner sowie allen Fans. Die Nationalkader-Trainer mit Medical Staff sowie mein Betreuer Mätthu und Kraftexperte Fabian schauen für mein optimales Umfeld. Dank meinen Kaderkolleginne/-en macht der ganze Zirkus jeden Tag immer richtig viel Spass. Zuletzt auch grossen Dank meinem Sponsor probst, meinem Sponsor frey-print sowie der Sporthilfe Schweiz und der Spitzensportförderung der Armee für die Unterstützung.

Ich zähle auch im 2019 auf euch!

Ausblick

Seit drei Wochen bin ich nun in der wohlverdienten Saisonpause, in der ich die Laufschuhe trotz Prachtswetter nicht geschnürt habe. Dies versichert mir, dass ich bald wieder mit voller Energie und Elan ins neue Trainingsjahr einsteigen kann. Zum Glück bleibt auch nach meinem erfolgreichen Jahr 2018 noch viel Raum für Verbesserung. Das Ziel ist klar. Gold glänzt bekanntlich am Schönsten - diesen Traum will ich mir in den nächsten Jahren verwirklichen. Auch wenn es scheinbar nur noch einen kleiner Schritt ist - es braucht dafür am meisten Arbeit!

A casa in Ticino

A casa in Ticino